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Stefanie Kloß ist Stimme und Gesicht der deutschen Platin-Band Silbermond. An den Instrumenten: drei Jungs. Kann das gut gehen? Es kann! Was mit Nena begann, gilt längst als Erfolgsformel. Ein Tourbericht über die Freundschaft
Text: Birgit Ackermann | Fotografie: Olaf Heine
ie wunderbare Deborah Harry wusste genau, wo es künftig langgehen würde, als sie 1979 »Blondie Is A Group!« auf Buttons drucken ließ. Sie schuf damit die ideale Blaupause für ein neues Phänomen in der Musikgeschichte. Viele Bands, die den New Yorkern in die Charts folgten, funktionierten nach dem Blondie-Prinzip: Die Frau an der Bühnenfront wurde zwar als Identifikationsfigur wahrgenommen - wollte aber nicht allein für den Bandnamen oder gar die ganze Gruppe stehen. Es ging um ein Gleichgewicht zwischen weiblichem Star und kreativem Kollektiv. Das war neu, das war revolutionär. Vor Blondie gab es Bigseller nur vom Typus Soloartist oder Unisex-Band. Eine Frau im Rampenlicht und die Jungs als Mitspieler ein wenig im Schatten - das war für viele männliche Stars am Mikrofon so unvorstellbar wie ein Beatles-Konzert ohne Gekreische. Mehr noch: Wenn es mit einer Band zu Ende ging, wurde die Schuld häufig bei den Mädels im Hintergrund gesucht - siehe Yoko Ono.
Blondie trat in einer Ära auf die Bühne, die von Feminismus, Punk und Do it yourself inspiriert war. Hierzulande wiederholte sich die Geschichte in großem Stil mit Nena, die ebenfalls immer wieder betonte, dass Nena eine Band ist. 1982, als deren ungeahnter Aufstieg begann, wurden Andreas Nowak und Johannes Stolle geboren. 1983, als »99 Luftballons« zum Welthit avancierte, kam Thomas Stolle zur Welt. Und im Jahr darauf Stefanie Kloß.
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| » WIR GEHÖREN ZU EINER NEUEN GENERATION VON MÄNNERN. ICH HABE KEIN PROBLEM DAMIT, WENN EINE FRAU DEN TON ANGIBT
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Zusammen sind sie Silbermond. Für ihre Alben »Verschwende deine Zeit« (2004) und »Laut gedacht« (2006) gab es jeweils Dreifach-Platin. Im März bekamen sie zwei Echos. Das Quartett wird salopp der Stilrichtung Neue Neue Deutsche Welle zugeordnet. Und die trägt mittlerweile eine ganze Generation von Sängerinnen. Im Vordergrund: Können und der Wille, als Band erfolgreich zu sein. Der Nena-Effekt - er wirkt bei allen Frontfrauen junger deutschsprachiger Bands: Seien es Wir sind Helden oder Die Happy, Juli, Mia oder Klee. Doch was ist das Geheimnis dieser musikalischen Konstellation?
Um herauszufinden, wie der Alltag läuft, wie sich die Jungs fühlen, begleite ich Silbermond einen Tag lang auf ihrer Tour. Heute sind sie in Fürth. Auf dem Tisch im Backstageraum steht »Flitzer«, ein Plastikschaf, das exhibitionistisch den Mantel öffnet. Keiner da, bis Tourmanager Lutz Sauerbier mit einem Kaffee zum Morgen-plausch vorbeischaut. »Männer sind zuvorkommender und ordentlicher, wenn eine Frau dabei ist, das ist auch für meine Organisation hilfreich«, sagt er. »Die Jungs haben alle eine gute Einstellung gegenüber Frauen, mögen ihre Mütter und Schwestern, sie sind keine Machos.« Wenn Lutz von der Band Silbermond spricht, dann nur von seinen »Mädels«. Sängerin Stefanie ist nicht die einzige Frau im Team. Es gibt eine Busfahrerin und einen weiblichen Roadie. Später unterhalten sich die männlichen Crewmitglieder untereinander - über Bachblüten (»Die würden dir auch guttun.«). Als Stefanie den Raum betritt, eingehüllt in einen Parka mit Fellkapuze, wird sie von den Jungs geneckt »Hey, hast du eine Katze um?« Sie kontert mit einer Bemerkung über die Weißwürste auf dem Mittagsbuffet. »Stefanie ist eine starke Frau und wird so akzeptiert«, sagt Schlagzeuger Andreas. »Wir gehören zu einer neuen Generation von Männern, ich habe kein Problem damit, wenn eine Frau den Ton angibt«. Er meint es ehrlich.
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Vor jedem Konzert fahren Silbermond zum Ortsschild und machen ein Foto. Stefanie geht voran zum Termin, die Jungs folgen. Draußen vor der Halle wartet schon am frühen Nachmittag ein Dutzend Mädels. Alle wegen der Jungs. Eine ruft: »Ahhh, geiler Typ!« Als Bassist Johannes sie anschaut, läuft sie weg. Andere sind mutiger, bitten Johannes und Gitarrist Thomas um ein gemeinsames Foto. Die beiden freuen sich über so viel Verehrung und grinsen. Niemand spricht heute Stefanie an. Männliche Fans oder gar Groupies - Fehlanzeige. Und wenn mal welche da sind, sagt die 22-Jährige, seien sie sehr schüchtern. »Da passiert nicht mehr, als dass sie rot werden«. Johannes weiß aber, dass Stefanie da nicht viel verpasst: »Die fahren nicht auf einen persönlich ab, sondern auf den Star auf der Bühne. Ich freue mich zwar, beziehe das aber nicht auf mich. Und ganz ehrlich: Konzerte sind wie Leistungssport, danach will man keine Action mehr.«
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| » ES GIBT BEI UNS KEINEN GRUND, VONEINANDER GENERVT ZU SEIN. KEINER KOMMANDIERT HERUM « |
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Thomas öffnet die Autotür für mich. Am Steuer sitzt Melli, die an diesem Tag als Runner Mädchen für alles ist - und zum Beispiel Zigaretten holt und Halstabletten. Früher, als die Band noch nicht mit zwei Tourbussen und drei Trucks für das Equipment unterwegs war, fuhr Stefanie meist selbst. Einmal war sie nachts von einem Gig zurück ins heimatliche Bautzen unterwegs. »Die Jungs haben hinten geschlafen. Ich hatte gerade erst meinen Führerschein gemacht und war damit beschäftigt, auf alles Mögliche zu achten - nur nicht auf den Tank…« Sie haben das Problem zusammen gelöst. Stefanie und Andreas liefen zur nächsten Tankstelle, die anderen blieben beim Wagen. Andreas sang »I'm Walking«, Stefanie war auf sich selbst sauer. Aber niemand nahm ihr etwas krumm.
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